Ich erinnere mich noch lebhaft an eine Nacht in Südfrankreich. Da war der Himmel allein durch das Strahlen der Sterne hell erleuchtet. Ich lag auf dem Gras mitten in der warmen Nacht,...
Weißt Du wieviel Sternlein stehen?
Wenn man in einer klaren Sommernacht den Sternenhimmel betrachtet und sich vorstellt, dass unzählige Milliarden von Sternen uns umgeben, dann kommt man ins Staunen.
Die Natur kann uns zum Staunen, zum Rühmen, ja zum Singen bringen.
Das kann die unzählig große Sternenzahl an einem klaren Nachthimmel sein.
Ich erinnere mich noch lebhaft an eine Nacht in Südfrankreich. Da war der Himmel allein durch das Strahlen der Sterne hell erleuchtet. Ich lag auf dem Gras mitten in der warmen Nacht, die Zikaden zirpten und ich war ergriffen von der Größe, der Unausforschlichkeit des Weltraums: Staunen, Rühmen, Loben.
Mit dem Staunen war es dann bald vorbei. „Die kleinen Biester sind schrecklich!“ klagte meine Frau und juckte sich ihre Hand und ihr Gesicht, die die Stechmücken, die es da auch gab, bereits zerstochen hatten.
Stechmücken, bei uns am Oberrhein „Schnaken“ genannt, sind wirklich zu lästig. „Selbst schuld“, möchte man den kleinen Plagegeistern zurufen. „Selbst schuld, dass euch niemand mag!“. Sogar in die Bibel haben es die Schnaken so geschafft. Sie sind eine der Plagen, die Gott den Ägyptern schickt. Sie fallen über wehrlose Menschen und Tiere her. Da hilft alles Schlagen und Kratzen und heute auch alle Chemie nichts.
Es gibt wirklich sympathischere Gottesgeschöpfe. Ich frage mich, was Gott sich dabei gedacht hat, als er diese lästigen Tiere geschaffen hat.
Naja, sie sind natürlich unentbehrlich als Futter für andere. Frösche, Fische, Vögel sähen ohne sie magerer aus.
Nicht nur in die Bibel haben die Schnacken Aufnahme gefunden. Auch ins Evangelische Kirchengesangbuch haben sie es geschafft. Denn in dem bekannten Lied „Weißt du wieviel Sternlein stehen“ (EG 511) beginnt die zweite Strophe so: „Weißt du, wieviel Mücklein spielen in der heißen Sonnenglut?“
„Weißt du wie viel Sternlein stehen an dem hohen Himmelszelt...“ Dieses Lied habe ich als Kind gern gesungen und ich war ganz überrascht, als ich vor einigen Jahren entdeckt habe, dass es auch in unserem Gesangbuch steht.
Doch zurück zu unseren Plagegeistern: Ich finde Schnaken lästig, aber dieses Lied rührt mich an. Sogar die kleinen nervigen Insekten hat Gott ins Leben gerufen. Es gibt Millionen und Milliarden Ihrer Art. Vielleicht soviel wie Sterne im Universum. Und Gott hat sie alle nicht nur gezählt, sondern der Liederdichter Wilhelm Hey sagt sogar: „der Herr rief sie mit Namen, dass sie all ins Leben kamen“.
Das Lied erinnert mich daran, dass jedes Lebewesen einen Platz bei Gott hat. Also auch ich, selbst, wenn ich manchmal herumstichle und meiner Umwelt auf die Nerven gehe.
Manchmal, da haben wir in dieser Welt Angst. Es gibt so viel, was uns Angst machen kann, in dieser Welt, in unserem Leben.
Manchmal kommt das tröstende Wort, die tröstende Hilfe, die Nähe Gottes zur rechten Zeit. Doch manchmal bleibt das alles aus und wir fühlen uns allein und verzweifelt. Oder wir erleben, dass sich Menschen um uns herum um Trost bemühen, doch unser Schmerz, unser Leid so groß sind, dass ihre Worte, ihre Gesten uns nicht erreichen.
Paulus schreibt vor langer Zeit an die Christen in Rom. „Genau dann, wenn es euch so geht, dann hilft euch der Heilige Geist, weil er euch sagt: Trotzdem bist du Gottes geliebtes Kind.“ (vgl. Römer 8, 14-16)
Und so komme ich doch wieder auf das Kinderlied vom Anfang zurück: „Weißt du wie viel Sternlein stehen“, so beginnt es, und es beginnt damit beim Staunen und es mündet im 3. Vers in die Aussage: „Kennt auch mich und hat mich lieb“.
Der Allmächtige, der Schöpfer Himmels und der Erde, kennt mich und hat mich lieb. Sich daran festzuhalten im Leben und im Sterben, im Staunen und in Angst und Sorge, das ist es, was uns zum Leben führt. Ich bin Gottes Kind, und er ist mein Vater, der mich liebt.
Wolfgang Lederle






